Nachgefragt – bei Miriam Rosenbaum


In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir die Menschen hinter den Exponaten der Ausstellung "Bioökonomie" vor.

In unserem dritten Interview haben wir Prof. Dr. Prof. Miriam Rosenbaum, Wissenschaftlerin am Leibniz Institut für Naturstoffforschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena um die Beantwortung unserer Fragen gebeten. Sie stellt uns das Exponat "Strom aus Bakterien" vor.

17_Foto_Erdbatterie_MiriamRosenbaum.jpgFällt das Wort Bioökonomie, blickt man noch oft in fragende Gesichter: Wie würden Sie den Begriff mit einfachen Worten erklären? 

Bioökonomie beschreibt eine Wirtschaftsstrategie basierend auf nachwachsenden Rohstoffen (=Biomasse) und umweltschonenden, teilweise biotechnologischen Umwandlungen zur Wertschöpfung aus diesen Rohstoffen und damit Ersatz von Wertschöpfungswegen aus fossilen Rohstoffen.

Woran forschen Sie?

Mein Kernthema ist die mikrobielle Elektrochemie, d. h. die Interaktion von Bakterien mit Elektroden. Mich interessiert, wie das im Detail funktioniert und wie man diese Interaktion für neue Prozesse nutzen kann. 

Haben Sie eine Idee / einen Wunsch, wohin die Ergebnisse Ihrer Forschung mal führen könnten?

Ich hoffe, wir können irgendwann den Stoffwechsel von Mikroorganismen so gut an die Elektrode knüpfen, dass wir elektrischen Strom als Energiequelle für biotechnologische Reaktionen an die Organismen füttern können.

Unabhängig von Ihrer eigenen Forschung: Welche bioökonomische Errungenschaft wünschen Sie sich im Jahr 2035 erfolgreich im Alltag angekommen?

Ich wünsche mir einen fast vollständigen Ersatz von kurzlebigen Kunststoffen zum Beispiel bei Verpackungsmaterialien oder Einmalprodukten durch nachhaltige, biologische abbaubare Materialien.

Mit welchem Thema beschäftigt sich Ihr Exponat?

Mit der Gewinnung von elektrischem Strom aus Bakterien.

Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher an Ihrem Exponat freuen?

Man sieht an einem ganz einfachen Beispiel, dass das tatsächlich funktioniert … Etwas Schlamm, in dem sich viele Bakterien tollen und zwei Elektroden, schon kann eine LED zum Blinken gebracht werden.  

Was finden Sie spannend daran, sich an einer Ausstellung wie der auf der MS Wissenschaft zu beteiligen?

Die angewandte Wissenschaft hofft, irgendwann neue Lösungen für eine breite Öffentlichkeit zu entwickeln. Das setzt viel Vertrauen bei der Öffentlichkeit zur Annahme dieser Lösungen voraus. Zur Vertrauensbildung ist es wichtig, neue Techniken und Entwicklungsrichtungen früh und einfach zu kommunizieren und der Öffentlichkeit einen Einblick zu geben. Ich denke besonders, da immer mehr Lösungen nicht wie bisher aus dem eher greifbaren technischen Bereich, sondern aus dem weniger greifbaren digitalen oder biologischen Bereich kommen, sind solche Veranstaltungen zur Wissenschaftskommunikation umso wichtiger. 

Gab es etwas, was Sie bei der Konzeption Ihres Exponats zum Verzweifeln / zum Nachdenken / zum Lachen gebracht hat? Wenn ja, was?

Eigentlich nicht. Das Exponat wurde nicht von uns konzipiert, sondern ist kommerziell erhältlich, aber wir nutzen es seit vielen Jahren zur Ausbildung von Studierenden, in Experimenten für Schüler*innen, aber auch in lokalen öffentlichen Veranstaltungen, da es so anschaulich ist.