Nachgefragt – bei Francesca Meister und Anne-Josephin Schoele


In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir die Menschen hinter den Exponaten der Ausstellung "Bioökonomie" vor.

Unser siebtes Interview führen wir mit Francesca Meister und Anne-Josephin Schoele. In ihrer Seminarfacharbeit für das Abitur haben sie sich am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) mit abbaubarem Kunststoff beschäftigt. Ihre Arbeit floss ist das Exponat "Alternativer Kunststoff aus Mikroorganismen" ein.

Fällt das Wort Bioökonomie, blickt man noch oft in fragende Gesichter: Wie würden Sie den Begriff mit einfachen Worten erklären? 

Bioökonomie kann man auch als postfossile Wirtschaft bezeichnen. Das bedeutet, dass die Wirtschaft nicht mehr auf fossilen Ressourcen beruht, sondern nachwachsende Rohstoffe verwendet. 

18b_Foto_PHB_Francesca+Josephinb.jpgWoran forschen Sie?

Wir haben uns mit einem Biopolymer (Polyhydroxybuttersäure) beschäftigt, aus welchem man biologisch abbaubare Ersatzprodukte für herkömmliche Kunststoffe herstellen kann. In unserem Experiment untersuchten wir den Abbauprozess von Folien aus diesem Polymer in einem herkömmlichen Gartenkompost.

Haben Sie eine Idee / einen Wunsch, wohin die Ergebnisse Ihrer Forschung mal führen könnten?

Unsere Forschung könnte dazu beitragen, dass die Forschung auf diesem Gebiet staatlich gefördert wird. Unser Wunsch wäre es, dass dadurch ein wirtschaftlich rentabler Einsatz des Biopolymers möglich wird und somit Produkte aus herkömmlichen Kunststoffen schneller ersetzt werden können. Auf diese Weise könnten fossile Rohstoffe geschont werden und wir wären einer bioökonomischen Welt einen Schritt näher.

Unabhängig von Ihrer eigenen Forschung: Welche bioökonomische Errungenschaft wünschen Sie sich im Jahr 2035 erfolgreich im Alltag angekommen?

Im Verkehrswesen könnte sich das Wasserstoffauto etablieren. Im Energiesektor wäre man weitestgehend auf erneuerbare Energien und Kernfusion umgestiegen.

Mit welchem Thema beschäftigt sich Ihr Exponat?

Mit dem Ersetzten von herkömmlichen Kunststoffen durch biologisch abbaubare Biopolymere. Um dadurch den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu minimieren und damit auch Problematiken, die sich durch den übermäßigen Einsatz von Plastik ergeben (Mikroplastik, Plastikmüll in Meeren und Umwelt), zu lösen.

Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher an Ihrem Exponat freuen?

Wir zeigen sowohl das PHB-Granulat, das aus der Bakterienkultur gereinigt wurde sowie PHB-Folien, die als Verpackungsmaterial eingesetzt werden können. Aber auch chirurgischen Nähfaden aus PHB, der von einer amerikanischen Firma kommerzialisiert und bereits klinisch eingesetzt wird.

Was finden Sie spannend daran, sich an einer Ausstellung wie der auf der MS Wissenschaft zu beteiligen?

Die Teilnahme an der Ausstellung ermöglicht das Erreichen eines größeren Publikums. Da das Thema, mit dem sich unser Exponat beschäftigt, durch die derzeitige Situation etwas aus dem Blickfeld der Bevölkerung gerutscht ist, bietet die Ausstellung eine tolle Möglichkeit, wieder etwas Aufmerksamkeit für diese Problematik zu erlangen.

Gab es etwas, was Sie bei der Konzeption Ihres Exponats zum Verzweifeln / zum Nachdenken / zum Lachen gebracht hat? Wenn ja, was?

Zum Nachdenken hat uns angeregt, dass die großtechnische Herstellung von „Bioplastik“ theoretisch schon möglich wäre, aber nicht umgesetzt wird, da es sich wirtschaftlich nicht rentiert. Das bedeutet, dass Lösungen für eine nachhaltige Zukunft bereits vorhanden sein können. Was aber letztlich über die Realisierung entscheidet, sind immer marktwirtschaftliche Interessen. Der Anspruch an die Forschung ist also nicht nur, technische Lösungen zu finden, sondern diese auch marktwirtschaftlich interessant zu optimieren, was mindestens nochmal genauso viel Forschungsaufwand bedeutet.